Abfindung in Dubai: was Sie Ihren Mitarbeitern schulden
In den VAE ist die Abfindung kein Verhandlungsergebnis, sondern ein gesetzlicher Anspruch ab dem ersten Jahr. Wie sie berechnet wird und warum sie monatlich in die Bücher gehört.
Wer aus Deutschland kommt und in den VAE zum ersten Mal jemanden einstellt, unterschätzt fast immer denselben Punkt. In Deutschland ist eine Abfindung Verhandlungssache, es gibt keinen allgemeinen gesetzlichen Anspruch darauf. In den Emiraten ist es genau andersherum: Die Abfindung ist gesetzlich vorgeschrieben, sie entsteht automatisch, und sie wächst mit jedem Monat, den ein Mitarbeiter für Sie arbeitet.
Das Problem daran ist selten die Höhe. Das Problem ist der Zeitpunkt, zu dem die meisten Unternehmer zum ersten Mal darüber nachdenken, nämlich an dem Tag, an dem jemand kündigt.
Wer hat überhaupt Anspruch?
Anspruch hat jeder ausländische Vollzeitbeschäftigte, der mindestens ein volles Jahr ununterbrochen im Unternehmen war. Darunter entsteht kein Anspruch. Geregelt ist das in Artikel 51 des Bundesdekret-Gesetzes Nr. 33 von 2021, dem geltenden Arbeitsrecht der VAE.
Entscheidend ist die Dienstzeit, nicht die Art der Beendigung. Ob jemand selbst kündigt oder ob Sie das Arbeitsverhältnis beenden, spielt seit 2021 keine Rolle mehr. Die frühere Kürzung bei Eigenkündigung in befristeten Verträgen ist entfallen. Nur bei einer fristlosen Entlassung aus einem der im Gesetz aufgezählten Gründe verliert der Mitarbeiter den Anspruch.
Wie hoch fällt die Abfindung aus?
Die Rechnung ist einfacher, als viele denken, hat aber zwei Stolperstellen.
Erste Stolperstelle: die Bemessungsgrundlage. Gerechnet wird ausschließlich mit dem Grundgehalt. Wohnkostenzuschuss, Transportpauschale, Nebenkosten, Boni, Provisionen, Überstunden und Sachleistungen bleiben außen vor. In den VAE ist es üblich, das Gesamtpaket in Grundgehalt und Zulagen aufzuteilen, und genau diese Aufteilung entscheidet über die spätere Abfindung.
Zweite Stolperstelle: die Staffelung. Für jedes der ersten fünf Jahre entstehen 21 Tagesgehälter, ab dem sechsten Jahr 30 Tagesgehälter pro Jahr. Das Tagesgehalt ist das monatliche Grundgehalt geteilt durch 30.
Ein Beispiel: Bei einem Grundgehalt von 12.000 AED beträgt das Tagesgehalt 400 AED. Nach vier Jahren ergibt das 400 × 21 × 4, also 33.600 AED. Nach sieben Jahren sind es 400 × 21 × 5 für die ersten fünf Jahre plus 400 × 30 × 2 für die beiden folgenden, zusammen 66.000 AED.
Nach oben ist die Abfindung auf zwei Jahresgrundgehälter gedeckelt. Angefangene Jahre werden anteilig berechnet, Zeiten unbezahlten Urlaubs werden abgezogen.
Wenn Sie die Zahl für einen konkreten Mitarbeiter brauchen statt der Regel, rechnet der Abfindungsrechner für die VAE sie aus Grundgehalt und Dienstzeit aus.
Warum die Abfindung in die laufende Buchhaltung gehört
Hier liegt der eigentliche Punkt, und er ist kein juristischer, sondern ein betriebswirtschaftlicher.
Die Verbindlichkeit entsteht nicht am Tag der Kündigung. Sie entsteht jeden Monat neu, in kleinen Beträgen, während der Mitarbeiter arbeitet. Wer sie erst bei der Kündigung erfasst, hat zwei Jahre lang einen zu hohen Gewinn ausgewiesen und steht dann vor einer Zahlung, für die kein Geld eingeplant war.
Bei einem einzelnen Angestellten fällt das kaum auf. Bei acht Mitarbeitern, von denen drei im selben Quartal gehen, wird daraus ein Liquiditätsproblem, das sich über Monate ankündigt hätte und trotzdem überrascht.
Die saubere Lösung ist eine monatliche Rückstellung: einmal pro Monat den zusätzlich entstandenen Anspruch je Mitarbeiter berechnen und als Aufwand buchen. Das ist nach IFRS ohnehin die richtige Behandlung, und es macht den Jahresabschluss belastbar. Mehr zu den Anforderungen an den Abschluss steht im Beitrag zum Jahresabschluss in Dubai.
Was das mit der Corporate Tax zu tun hat
Der handelsrechtliche Gewinn ist der Ausgangspunkt für die Corporate-Tax-Berechnung. Eine korrekt gebildete Rückstellung mindert diesen Gewinn in dem Jahr, in dem der Anspruch entsteht, nicht erst im Jahr der Auszahlung.
Wer die Rückstellung weglässt, weist in den ersten Jahren einen zu hohen Gewinn aus und versteuert ihn möglicherweise auch. Wichtig ist dabei die Stetigkeit: eine einmal gewählte Methode muss beibehalten werden, sonst wird die Position bei einer Prüfung angreifbar. Wie die Corporate Tax insgesamt funktioniert, steht im Leitfaden zur Körperschaftsteuer in Dubai.
Sonderfall DIFC und ADGM
In zwei Freezones gilt etwas anderes. Die DIFC hat zum Februar 2020 die klassische Einmalzahlung durch DEWS ersetzt, ein verpflichtendes Sparprogramm, in das der Arbeitgeber monatlich einzahlt. Die ADGM hat ein vergleichbares Modell eingeführt.
Für Sie als Arbeitgeber bedeutet das: keine anwachsende Verbindlichkeit in der Bilanz, dafür ein fester monatlicher Beitrag. Dienstzeiten vor dem Stichtag werden noch nach altem Recht abgerechnet, was bei langjährigen Mitarbeitern zu einer gemischten Berechnung führt.
Für alle anderen Freezones und für das Mainland bleibt es bei der regulären Abfindung. Welche Freezone welche Regeln mitbringt, ordnet der Beitrag Welche Freezone in Dubai passt ein.
Die drei häufigsten Fehler
Mit dem Gesamtgehalt rechnen statt mit dem Grundgehalt. Das führt zu einer deutlich zu hohen Rückstellung und zu unnötigem Streit beim Austritt, wenn der Mitarbeiter dieselbe falsche Rechnung aufmacht.
Unbezahlten Urlaub nicht erfassen. Wenn die Lohnbuchhaltung Fehlzeiten nicht sauber führt, stimmt die Dienstzeit nicht, und damit stimmt keine der beiden Zahlen.
Die Rückstellung erst zum Jahresabschluss bilden. Dann steht sie zwar in der Bilanz, aber die unterjährigen Zahlen waren das ganze Jahr über falsch, und für die Liquiditätsplanung kam die Erkenntnis zu spät.
Fazit
Die Abfindung in den VAE ist ein gesetzlicher Anspruch ab dem ersten vollendeten Dienstjahr, berechnet auf das Grundgehalt, mit 21 Tagesgehältern pro Jahr für die ersten fünf Jahre und 30 danach, gedeckelt auf zwei Jahresgrundgehälter. Ob gekündigt oder selbst gegangen wird, spielt seit 2021 keine Rolle mehr.
Der Unterschied zwischen einer unangenehmen Überraschung und einem planbaren Posten liegt allein darin, ob die Rückstellung monatlich mitläuft oder nicht.
Sollen wir die Abfindungsrückstellungen für Ihr Team laufend mitführen? Sprechen Sie mit uns, das Erstgespräch ist kostenlos.
Stand: September 2026. Dieser Beitrag ist eine allgemeine Information und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.
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Häufige Fragen
Wie wird die Abfindung in den VAE berechnet?
Grundlage ist ausschließlich das Grundgehalt, ohne Wohn-, Transport- und sonstige Zulagen. Für jedes der ersten fünf Dienstjahre entstehen 21 Tagesgehälter, ab dem sechsten Jahr 30 Tagesgehälter pro Jahr. Das Tagesgehalt ergibt sich aus dem monatlichen Grundgehalt geteilt durch 30. Die gesamte Abfindung ist auf zwei Jahresgrundgehälter begrenzt. Unter einem Jahr Dienstzeit besteht kein Anspruch.
Bekommt ein Mitarbeiter auch bei Eigenkündigung eine Abfindung?
Ja. Seit dem Bundesdekret-Gesetz Nr. 33 von 2021 wird nicht mehr danach unterschieden, ob der Mitarbeiter selbst kündigt oder das Unternehmen das Arbeitsverhältnis beendet. Maßgeblich sind allein die Dienstzeit und das Grundgehalt. Nur bei einer fristlosen Entlassung aus den im Gesetz genannten Gründen entfällt der Anspruch.
Zählt unbezahlter Urlaub zur Dienstzeit?
Nein. Zeiten unbezahlten Urlaubs zählen nicht als Dienstzeit und werden von der Gesamtdauer abgezogen, die der Berechnung zugrunde liegt. Wird das in der Lohnbuchhaltung nicht sauber erfasst, fällt die Rückstellung zu hoch aus.
Gilt das auch für Firmen in der DIFC oder ADGM?
Dort gilt seit Februar 2020 ein anderes System. Die DIFC hat die klassische Einmalzahlung durch das verpflichtende Sparprogramm DEWS ersetzt, die ADGM hat ein vergleichbares Modell. Statt einer anwachsenden Verbindlichkeit zahlt der Arbeitgeber monatliche Beiträge in einen Fonds ein. Dienstzeiten vor diesem Stichtag werden noch nach altem Recht abgerechnet. Für Firmen im Mainland und in allen anderen Freezones gilt weiterhin die reguläre Abfindungsregelung.
Warum sollte ich die Abfindung monatlich zurückstellen?
Weil der Anspruch bereits entsteht, während der Mitarbeiter für Sie arbeitet, und nicht erst am Tag der Kündigung. Eine monatliche Rückstellung verteilt die Kosten auf den Zeitraum, in dem sie tatsächlich verdient werden, hält den Jahresabschluss korrekt und verhindert, dass mehrere Austritte gleichzeitig ein Loch in die Liquidität reißen.
Wirkt sich die Rückstellung auf die Corporate Tax aus?
Eine sauber ermittelte und stetig fortgeführte Rückstellung gehört nach IFRS zu den abgegrenzten Aufwendungen und fließt damit in den handelsrechtlichen Gewinn ein, der wiederum den Ausgangspunkt für die Corporate-Tax-Berechnung bildet. Wie Rückstellung und tatsächliche Auszahlung im Einzelfall steuerlich behandelt werden, hängt von der gewählten Bilanzierungsmethode ab und gehört vor der Erklärung geklärt.